Oft bin ich in die Kauffalle getappt. Egal ob im Geschäft oder bei Flohmärkten oder sogar auf Willhaben. Ihr kennt das bestimmt, man spürt ein dringendes Bedürfnis sich was zu kaufen, verpasst aber den Augenblick sich überhaupt zu fragen wieso man es überhaupt hat und glaubt die Lücke in sich selbst mit einem neuen Ding füllen zu können. Und es mangelt nicht an Objekten die uns auch durch gezieltes Marketing vermitteln möchten genau das Richtige für unseren Leerstand zu sein. Oft habe ich diese Dinge gekauft und noch während ich damit aus dem Geschäft ging, fühlte ich mich leerer als zuvor. Es ist immer einfacher seinen aktuellen Seelenzustand auf äußere Umstände zu schieben. Wer hat uns denn schon beigebracht sich mit dem Inneren zu beschäftigen? Ich habe mich dann immer gefragt wie ich solchen Situationen in Zukunft am besten aus dem Weg gehen kann. Da bin ich dann auf diese interessante Lebensphilosophie gestoßen (und habe beschlossen sie in mein Leben zu integrieren).

Wabi Sabi
Wabi Sabi ist eine japanische Weltansicht als auch Ästhetik die auf der Akzeptanz des Imperfekten beruht. Wabi bedeutet so viel wie bescheiden und einfach und Sabi rustikal oder verwittert. Es geht vor allem darum den natürlichen Kreislauf des Lebens zu akzeptieren; Wachstum – Verfall – Tod. Aus Staub kommen wir, zu Staub zerfallen wir. Wir und alles Materielle um uns herum ist nicht für die Ewigkeit gemacht. Es geht darum sich damit abzufinden. Dieses Konzept wurde starkt durch die Glaubenssätze des Taoismus und Zen Buddhismus beeinflusst die ungefähr im 12 Jahrhundert Japan erreichten. Der Grundstein dieser Religion ist das Leiden als ein Teil des Lebens zu akzeptieren und sich dadurch vom Leiden zu befreien. Sozusagen Minus + Minus = Plus. Einer der ersten Englisch sprechenden Lehrenden der die japanische Kultur für „die Westler“ interpretierte Daisetz T. Suzuki, beschrieb Wabi-Sabi als „aktive ästhetische Würdigung von Armut“. Damit meinte er jedoch eher das Weglassen der materiellen Sorge und Gewichtes auf unser Leben um sich frei zu fühlen, als die Armut bei der man sich verzweifelt und hoffnungslos vorkommt. Vor allem heute finde ich das ein sehr wichtiges und bereicherndes Mindset, das uns helfen kann mit der ständigen Reizüberflutung umzugehen und nicht in den Konsumrausch zu verfallen.

 Im Westen kennt man Wabi Sabi vor allem für die in diesem Stil gehaltenen Kunstgegenstände die vor allem spezielle Reparaturtechniken verwenden. So gibt es z.B. spezielle Techniken um gebrochene Keramik und Textil zu reparieren. Die Kunst der Keramikreparatur wird Kintsugi, die der Textilreparatur Boro genannt. Die Japaner haben sich über Jahrhunderte in zerbrochene Töpfereien verliebt und haben diese mit einer Mischung von Lack und metallischem Puder, wie Gold, Silber oder Platin wieder zusammengesetzt. Bei Boro werden zerrissene Materialien durch händische Nähtechniken neu zusammengesetzt. Meistens sind das Baumwollstoffe die immer wieder aufs Neue mit Indigo gefärbt werden. Sie glauben dass diese Objekte immer wertvoller werden je mehr Geschichte und Charakter sie sich aneignen. Die Risse und Dellen bedeuteten also mehr Wert im spirituellen und ästhetischen Verständnis.

Photo found on http://www.highsnobiety.com
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Ich finde es sehr schön sich das Konzept des Wabi-Sabi in unsere Welt zu denken. Nicht gleich ein Gebäude das älter ist mit einer scheußlichen Styroporschicht zu beziehen (ich muss zugeben ich kann Styropor auch einfach nicht ausstehen). Oder bin ich die einzige die findet, dass es einfach viel mehr Charakter hat? Genauso wäre es sicher gesund für unsere Psyche es in unser Schönheits- und Selbsverständnis einzufügen. Niemand von uns bleibt, zumindest nach dem jetzigen Forschungsstand, ewig jung und doch kann man sich immer wundervoll fühlen und bleiben. So meint Li Edelkoort, eine der wichtigsten Trendforscherinnen der Welt dass „… die Jungen in Zukunft reif und weise wären und die Alten ewig jung. Sie würden sich gleich jung/alt verhalten.“ Meine Oma hat immer gesagt die glücklichste Zeit in ihrem Leben war wie sie alt war, da war einfach der Druck raus.

Ein Letztes noch; das Leben ist zu kurz um uns selbst Ernst zu nehmen.
Rock’n’Roll Baby!

Michèle Lamy Photographed By Daniel Levitt

 

Nette Links zum Thema:

Kintsugi Videotutorial
Mending is Art
Wabi Sabi
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